Das Ohrgeräusch (Tinnitus)

Der Tinnitus ist der medizinische Fachausdruck für Ohrgeräusche oder Ohrensausen. Jeder 4. Mitbürger hat dieses Phänomen schon einmal an sich selbst wahrgenommen, meistens ist es nur vorübergehend. Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, vergleichbar dem Schmerz. Die Ursachen sind vielfältig, bleiben oft ungeklärt. 10 – 20 % der Bevölkerung sind von einem Ohrgeräusch dauerhaft betroffen, 40 % haben ihn zumindest einmal im Leben bemerkt. Ein Drittel aller älteren Menschen hat ständig Ohrgeräusche. Der Beginn der Störung liegt typischerweise zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. In den letzten Jahrzehnten scheint die Erkrankungshäufigkeit in den Industrieländern stark gestiegen zu sein, man spricht von einer „Volkskrankheit“. Ob dies stimmt oder ob es sich lediglich um die steigende Zahl von Patienten handelt, die ärztliche Hilfe suchen, ist umstritten.

Der akute Tinnitus = erstmalig aufgetretene Ohrgeräusche

Wichtig ist hier zunächst eine schnelle HNO-ärztliche Vorstellung. Ursachen sind oft bedingt durch Erkrankungen des Ohrs (Ohrenschmalz, Entzündungen des Ohrs: Mittelohrentzündung, virale und bakterielle Infekte, Lärmtrauma durch Diskothekenbesuch oder Knalltrauma, Hörsturz, M. Menière). Sehr selten kann ein akuter Tinnitus durch eine Erkrankung im neurologischen Fachgebiet ausgelöst werden (Durchblutungsstörung, gutartiger Hirntumor am Hörnerv (Akustikusneurinom).
Bei rund 70 % der akut Betroffenen wird sich der Tinnitus vollständig zurückbilden, manchmal braucht es etwas Zeit und Geduld.

Chronischer Tinnitus

Gerade in den Fällen, wo keine organische Ursache gefunden werden kann, hält das Ohrgeräusch manchmal Wochen oder Monate an. Aber selbst dann ist er in den meisten Fällen erträglich, über die Hälfte der Betroffenen fühlt sich im Verlauf nur noch geringfügig gestört. Gleichwohl kann Tinnitus zu einer Belastung im täglichen Leben werden. Der chronische Tinnitus ist ein gutartiges Symptom und kein Hinweis auf eine schwerwiegende oder gar lebensbedrohende Krankheit.

Ursachen des chronischen Tinnitus

Im HNO-ärztlichen Bereich Erkrankungen mit Störungen der Schallüberleitung (Otosklerose), M. Menière, Schädigung des Innenohrs durch Einnahme von Substanzen mit ohrschädigender Nebenwirkung (bestimmte Antibiotika) im früheren Leben, Tumor des Gehörnerven, Schwerhörigkeit.
Eine andere seltene Ursache eines meist pulssynchronen Tinnitus kann eine Verengung der Halsschlagader an der Schädelbasis oder auch im Hirn selber sein. Dies kann man durch die Ultraschalluntersuchung ausschließen.

Folgeerscheinungen sind Konzentrationsstörungen, Überempfindlichkeit bei lauten Geräuschen, Ängste und übersteigerte Krankheitssorgen sowie Einschränkung der sozialen Kontakte. Es können sich Schlafstörungen und eine depressive Reaktion einstellen, dann wird der Tinnitus zum „Lärm der Seele“. Hier helfen Aufklärung, Selbsthilfegruppen und eine nervenärztlich/ psychotherapeutische – verhaltenstherapeutische Betreuung. In manchen Fällen ist eine zeitlich begrenzte Gabe eines Antidepressivums notwendig, besonders bei Schlafstörungen.

Therapien bei Tinnitus

Es werden viele Behandlungen angeboten, allerdings konnte bei keiner Therapie bisher wissenschaftlich eine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Das gilt sowohl für die schulmedizinischen Maßnahmen als auch für die alternativen Heilmethoden. Die hohe Zahl der verschiedenen Therapievorschläge lässt vermuten, dass es bisher noch keine klare, eindeutig wirksame Behandlung gibt. Der Markt für Tinnitustherapie ist sehr groß.

Schulmedizinische Therapieform (evidenzbasierte Medizin)

Im deutschsprachigen Raum wird zu Beginn meist eine medikamentöse Behandlung empfohlen mit Vitamin E-Präparaten, Magnesium, Kortison oder auch intravenös gegebenen durchblutungsfördern-den Wirkstoffen (Haes oder Pentoxifyllin = Pentox, Trental) oder ein Gingko-Präparat. Es gibt keine Vergleichsstudien die belegen, dass ein Medikament überlegen ist. Wegen unbewiesener Wirkung, hoher Kosten und möglicher Nebenwirkungen sind die Medikamente umstritten, werden in den USA, Großbritannien sowie im skandinavischen Raum deshalb nicht verwandt und sind dort unüblich.

Auch die medikamentöse Behandlung von chronischem Tinnitus ist umstritten. Die oft eingesetzten durchblutungsfördernden Medikamente haben keinen Wirksamkeitsnachweis. Das gleiche gilt für viele andere Präparate und Wirkstoffe (Caroverin, Flupertin, Glutaminsäure, Carbamazepin, Gabapen-tin, Lidocain intravenös).

Die Tinnitus-Retraining-Therapie hat bislang ebenfalls keine bahnbrechenden Erfolge nachgewiesen, kann aber im Einzelfall sinnvoll sein.

Die früher bei schwerem chronischen Tinnitus durchgeführte Durchtrennung des Hörnerven wird wegen der niedrigen Erfolgswahrscheinlichkeit nicht mehr durchgeführt.

Alternative Behandlungsmethoden

Es gibt eine Vielzahl alternativer Therapien, die jedoch größtenteils sehr umstritten sind. Eine wichtige Rolle spielt die Erwartungshaltung der Patienten hinsichtlich des vermeintlichen Therapieerfolges: Patienten, die eine positive Einstellung haben, vermelden oft eine deutlichere Verbesserung als solche mit einer negativen Einstellung. Ob die vermeintlichen Therapieerfolge Wirklichkeit sind, bleibt angesichts der unbefriedigenden Objektivierbarkeit von Ohrgeräuschen ungeklärt.

Zu den alternativen Behandlungsmethoden zählen:
Hyperbare Sauerstofftherapie, Hypnotherapie, Neuraltherapie (Behandlung von angeblichen Störfeldern), Softlasertherapie (Laserbestrahlung des Ohres), Kieferkorrektionstherapie unter der Vorstellung einer Kiefergelenksfunktionsstörung (craniomandibuläre Funktion: CMD).

Allgemeine Regeln zum Umgang mit Tinnitus

Man sollte sich möglichst wenig Stress und keiner zu starken akustischen Belastung aussetzen. Leise Musik als Ablenkung kann genutzt werden, um sich nicht auf das Ohrgeräusch zu konzentrieren (dies besonders bei Einschlafproblemen gut wirksam). Absolute Stille führt leicht zur Konzentration auf das Ohrgeräusch und verstärkt es subjektiv. Der Betroffene muss lernen, mit dem Ohrgeräusch umzugehen.

Hier kann, wie gesagt, eine Verhaltenstherapie helfen, evtl. auch Entspannungsübungen, wie auch autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jakobsen. Bei der Vermittlung dieser Therapieform können wir Ihnen weiterhelfen.

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